Faulpelz-Aktivismus? Von wegen! “Von außen sieht man nur die steigende Anzahl von Unterschriften. In Wahrheit ist es ein Vollzeitjob – neben dem Vollzeitjob!” So berichten es zwei Change.org-Petitionsstarterinnen der Politikwissenschaftlerin Dr. Kathrin Voss. Sie hat für die Friedrich-Ebert-Stiftung gerade eine Studie vorgelegt mit dem Titel: „Engagiert, politisch, digital? Online-Petitionen als Partizipationsform der digitalen Zivilgesellschaft“. Erstmalig wurden Petitionsstarter*innen genauer unter die Lupe genommen: Wer sind sie? Was treibt sie an? 

Hier entlang zum Video-Interview: 

https://www.youtube.com/watch?v=y6PR6NK5ngo

„Die, die sich reinknien, haben die Erfolgserlebnisse!“

Voss hat u.a. untersucht, was genau eine Online-Petition erfolgreich macht. Interessante Erkenntnis: Je komplexer das Thema, desto weniger wahrscheinlich ist die konkrete Zielerreichung der Petition. Viel wichtiger ist den Aussagen der Petitionsstarter*innen zufolge das Gefühl der Gemeinschaft, der Vernetzung und die Tatsache, ein Thema auf die Agenda zu setzen. Und im besten Fall von den Verantwortlichen gehört zu werden, Argumente auszutauschen. „Die, die sich reinknien und was tun, die haben die Erfolgserlebnisse!“, so Wissenschaftlerin Dr. Kathrin Voss. 

Deutschlands Engagierte: alt, männlich, akademisch

Überraschende Erkenntnis der Studie: Deutschlands Petent*innen sind zu einem großen Teil alt, männlich und akademisch. Dabei denken viele, dass Online-Petitionen das Werkzeug der jungen Menschen, der digital natives seien. Fehlanzeige! Zudem sind die Petitionsstarter*innen oftmals bereits politisch aktiv. Das ließe sich ändern! Klarer Aufruf der Wissenschaftlerin an die Politik: „Die Politiker*innen müssen Petitionen als Einladung der Zivilgesellschaft begreifen, aufeinander zuzugehen. Petitionsstarter*innen haben das Potenzial, die Politik und auch die Parteien zu bereichern – indem sie Themen und Perspektiven einbringen, die sonst nicht gehört werden.

Hier geht’s zur Studie: http://library.fes.de/pdf-files/dialog/17748-20210507.pdf